der beste der besten

Der Beste der Besten soll Thomaskantor werden, ist sich der Stadtrat nach dem Tod von Sethus Calvisius 1615 einig. Schließlich hat der Verblichene mit dem Ehrentitel „Chorvater“ die Thomaner auf höchstes Niveau gehoben. Das gilt es zu halten. Zum Glück ist der Mann ganz oben ein ausgewiesener Musikliebhaber: Bürgermeister Theodor Möstel gesellte bereits 1607 zu den vier Stadtpfeifern noch drei Geiger, damit auch der zweite Chor der Thomaner instrumental begleitet werden kann.

Darum macht Möstel die Suche nach dem Calvisius-Nachfolger zur Chefsache. Fündig wird er in Weimar, wo Johann Hermann Schein Hofkapellmeister ist. Der ehemalige Dresdner Kapellknabe ist in Leipzig kein Unbekannter, hatte er doch hier studiert und mit seinem „Venus-Kränzlein“ den Barock an die Pleiße geholt. Dem 30-Jährigen macht der Bürgermeister ein Angebot, das dieser nicht ausschlagen kann: Bei der Auswahl seiner Sängerknaben soll Schein freie Hand haben, um eine Kirchenmusik zu etablieren, die „Gott zu Ehren und der vornehmen Handelsstadt zu Ruhm und Aufmunterung“ dient.

Kein Wunder, dass sich Schein dann auch nicht als Kantor und somit nachrangiger Lehrer an einer Bürgerschule versteht. Sondern dass er sein Amt vielmehr als das des „Städtischen Musikdirektors“ begreift, wie er in den Vorreden seiner gedruckten Werke auch immer wieder betont.

Text: Hagen Kunze